Wer regelmäßig über deutsche Landstraßen fährt, kennt die weißen Leitpfosten am Straßenrand wahrscheinlich so gut, dass man sie kaum noch bewusst wahrnimmt. Sie stehen kilometerweit in regelmäßigen Abständen neben der Fahrbahn und helfen vor allem bei Dunkelheit, Regen oder Nebel dabei, den Verlauf der Straße besser zu erkennen. Manchmal fällt zwischen den üblichen weißen und schwarzen Flächen aber plötzlich etwas Ungewöhnliches auf: ein blaues Element an der Seite des Leitpfostens.
Genau diese kleinen blauen Teile sorgen immer wieder für Diskussionen. Manche halten sie für zusätzliche Reflektoren für Autofahrer, andere vermuten dahinter Messgeräte oder Markierungen für Straßenmeistereien. Tatsächlich haben sie mit der normalen Fahrbahnführung nur indirekt zu tun.
Bei den blauen Elementen handelt es sich in vielen Fällen um sogenannte Wildwarnreflektoren. Sie werden vor allem auf Straßenabschnitten angebracht, auf denen häufig Rehe, Wildschweine oder andere Wildtiere die Fahrbahn kreuzen. Auch die Deutsche Wildtier Stiftung nennt blaue Reflektoren an Straßenleitpfosten als Hinweis auf Bereiche mit erhöhter Wildunfallgefahr.
Was passiert, wenn nachts ein Auto vorbeifährt?
Die Idee dahinter ist relativ einfach. Das Licht der Fahrzeugscheinwerfer trifft auf den Reflektor. Ein Teil des Lichts wird seitlich in Richtung Straßenrand beziehungsweise angrenzender Flächen zurückgeworfen.
Dadurch entstehen Lichtreize außerhalb der Fahrbahn. Diese sollen Wildtiere aufmerksam machen und im Idealfall davon abhalten, genau in diesem Moment auf die Straße zu laufen.
Die blaue Farbe wurde dabei nicht zufällig gewählt. Sie hebt sich für den Menschen deutlich von der normalen Umgebung ab und macht die zusätzlichen Reflektoren sofort erkennbar.
Für Autofahrer bedeutet ein solcher Abschnitt deshalb vor allem eines: Hier sollte man besonders aufmerksam sein.
Wer solche blauen Reflektoren entdeckt, befindet sich möglicherweise auf einer Strecke, auf der Wildwechsel regelmäßig vorkommt.
Aber halten die Reflektoren Tiere tatsächlich zuverlässig auf?
Hier wird es interessanter, denn die Wirkung wird im Internet häufig wesentlich eindeutiger dargestellt, als sie wissenschaftlich belegt ist.
Man liest beispielsweise immer wieder Aussagen wie „80 Prozent weniger Wildunfälle“. Solche pauschalen Zahlen sollte man jedoch mit Vorsicht betrachten.
Die Bundesanstalt für Straßenwesen ließ die Wirkung solcher Reflektoren untersuchen. Nach Angaben des ADAC konnte dabei keine eindeutige Wirkung auf das Verhalten der Tiere nachgewiesen werden. Möglich ist allerdings ein indirekter Effekt: Die auffälligen Reflektoren können Autofahrer daran erinnern, dass sie sich gerade in einem Wildwechselgebiet befinden und entsprechend vorsichtiger fahren sollten.
Das bedeutet also nicht, dass die blauen Reflektoren völlig nutzlos sein müssen. Man sollte sich nur nicht darauf verlassen, dass ein Reh wegen eines solchen Reflektors garantiert am Straßenrand stehen bleibt.
Genau das wäre gefährlich.
Warum sieht man sie besonders häufig auf Landstraßen?
Landstraßen verlaufen oft direkt durch Wälder, entlang von Feldern oder zwischen verschiedenen Lebensräumen von Wildtieren.