Wofür sind die blauen Teile an manchen Leitpfosten? Die Antwort kennen erstaunlich viele Autofahrer nicht

Ein Reh unterscheidet schließlich nicht zwischen seinem Lebensraum auf der einen und einer öffentlichen Straße auf der anderen Seite.

Gerade morgens und abends sind viele Wildtiere besonders aktiv. Die Deutsche Wildtier Stiftung weist deshalb insbesondere auf Morgen- und Abenddämmerung sowie Straßen an Wald- und Feldrändern als typische Gefahrensituationen hin.

Ein Fahrer kann auf einer scheinbar völlig freien Straße unterwegs sein und wenige Sekunden später steht plötzlich ein Tier auf der Fahrbahn.

Deshalb sollte man solche Strecken niemals unterschätzen.

Was sollte man tun, wenn plötzlich ein Reh auf der Straße steht?

Hier machen viele Fahrer aus Reflex genau das Falsche: Sie reißen das Lenkrad herum.

Ein starkes Ausweichmanöver kann jedoch wesentlich gefährlicher werden als der eigentliche Zusammenstoß. Man kann in den Gegenverkehr geraten, von der Straße abkommen oder gegen einen Baum fahren.

Die Empfehlung lautet deshalb, kontrolliert und so stark zu bremsen, wie es die Verkehrssituation erlaubt, das Lenkrad festzuhalten und riskante Ausweichbewegungen zu vermeiden. Auch Fernlicht sollte bei einem Tier auf der Fahrbahn abgeblendet werden, weil geblendete Tiere stehen bleiben oder sich unberechenbar bewegen können.

Außerdem gilt eine alte, aber wichtige Regel:

Wo ein Tier ist, können weitere folgen.

Gerade Rehe treten häufig nicht allein auf. Ist das erste Tier über die Straße gelaufen, sollte man deshalb nicht sofort wieder stark beschleunigen.

Warum normale Leitpfosten überhaupt Reflektoren haben

Die üblichen Reflektoren am Leitpfosten erfüllen eine andere Aufgabe.

Sie machen bei Dunkelheit den Straßenverlauf sichtbar und helfen dem Fahrer, Kurven und Fahrbahnränder besser einzuschätzen.

Die regulären Nachtkennzeichen an deutschen Leitpfosten sind im Normalfall weiß. In bestimmten Verkehrssituationen können auch gelbe Kennzeichnungen verwendet werden. Zusätzliche Veränderungen an Leitpfosten sind straßenverkehrsrechtlich klar geregelt.

Das blaue Element ist deshalb nicht einfach eine alternative Farbe des normalen Straßenreflektors, sondern eine zusätzliche Einrichtung für Wildwechselbereiche.

Die Farbe Blau ist also kein geheimes Signal für Autofahrer

Genau darum ranken sich online immer wieder kuriose Geschichten.

Manchmal wird behauptet, die blauen Elemente hätten etwas mit Polizeikontrollen zu tun. Andere halten sie für Sensoren zur Geschwindigkeitsmessung oder für Markierungen autonomer Fahrzeuge.

Damit haben die üblichen blauen Wildwarnreflektoren nichts zu tun.

Sie sollen mit Wildunfällen zusammenhängen und werden vor allem an entsprechenden Gefahrenstellen eingesetzt.

Wer sie bislang nie bewusst wahrgenommen hat, wird wahrscheinlich beim nächsten Ausflug über eine Landstraße automatisch danach Ausschau halten.

Und eigentlich ist genau das gar nicht schlecht: Denn unabhängig davon, wie stark der Reflektor selbst auf Tiere wirkt, erinnert er den Fahrer daran, auf diesem Abschnitt vorsichtiger zu sein.

Die wichtigste Maßnahme sitzt trotzdem hinter dem Lenkrad

Technische Hilfsmittel können unterstützen, aber das wirksamste Verhalten bleibt eine angepasste Geschwindigkeit.

Je langsamer man fährt, desto mehr Zeit bleibt, ein Tier am Straßenrand wahrzunehmen und zu reagieren.

Besonders gefährlich sind dunkle Strecken an Waldrändern und Feldern, auf denen man wegen einer langen Geraden schnell das Gefühl bekommt, problemlos schneller fahren zu können.

Genau dort kann Wild jedoch praktisch ohne Vorwarnung auftauchen.

Auch Wildschutzzäune bieten einen deutlich stärkeren Schutz, lassen sich aber gerade an Landstraßen mit vielen Zufahrten, Feldwegen und Kreuzungen nicht überall sinnvoll einsetzen. Der ADAC bezeichnet solche Zäune insbesondere auf geeigneten Strecken als sehr wirksam, weist jedoch auf die praktischen Grenzen außerhalb von Autobahnen hin.

Was bedeutet der blaue Reflektor also für dich?

Eigentlich reicht eine ganz einfache Erinnerung:

Blau am Leitpfosten = mit Wildwechsel rechnen und aufmerksam fahren.

Man muss weder bremsen, nur weil man einen solchen Reflektor sieht, noch gibt es dafür eine besondere Verkehrsregel.

Aber man sollte den Straßenrand stärker beobachten, ausreichend Abstand halten und besonders während der Dämmerung damit rechnen, dass plötzlich ein Tier auftaucht.

Und genau darin liegt wahrscheinlich auch der praktische Nutzen dieser auffälligen kleinen Teile.

Viele Autofahrer fahren jahrelang daran vorbei, ohne überhaupt zu wissen, wofür sie gedacht sind. Sobald man die Bedeutung allerdings einmal kennt, sieht man sie mit völlig anderen Augen.