Der Tag, an dem ich ein wunderschönes Geheimnis über eine von mir eingestellte Person entdeckte

Die Nächte verbrachten sie bei einem trauernden Freund.

An den Morgen, an denen sie früh aufwachten, um sich um ein Elternteil zu kümmern.

Sie verbrachten ihre Samstage damit, einem Kind Nachhilfe zu geben.

Die stillen Disziplinen, die ihren Charakter prägten.

Wir sehen es selten.

Doch manchmal, wenn wir genau hinsehen, zeigt es sich auf subtile Weise:

In der Art und Weise, wie jemand auf Stress reagiert.
Im Umgang mit Fehlern.
Darin, ob er anderen Anerkennung zollt.
Darin, ob er richtig zuhört, bevor er spricht.

Ihr unsichtbarer Lebenslauf war außergewöhnlich.

Und ich hätte es beinahe verpasst.

Warum das wichtig ist
In einer Welt, die von Sichtbarkeit – Followern, Kennzahlen, Anerkennung – besessen ist, hat unsichtbare Freundlichkeit etwas Radikales an sich.

Ihre Arbeit im Hospiz war nicht zufriedenstellend.

Es ging nicht um Markenaufbau.

Es wurde nicht zur beruflichen Weiterentwicklung genutzt.

Es war einfach Service.

Und dieser Dienst durchdrang stillschweigend alles, was sie tat.

Diese Erkenntnis erinnerte mich daran, dass Organisationen nicht allein auf Strategie und Kompetenz beruhen. Sie beruhen auf Charakter.

Die erfolgreichsten Teams, die ich geleitet habe, waren nicht unbedingt die talentiertesten. Sie waren die zuverlässigsten.

Vertrauen entsteht dort, wo Empathie vorhanden ist.

Und Empathie wächst dort, wo Menschen üben, sich um andere zu kümmern, auch wenn es unangenehm ist.

Das schöne Geheimnis, das wir alle in uns tragen.
Seit diesem Tag versuche ich, jedem Mitarbeiter – und jedem Menschen – mit Neugierde auf seinen unsichtbaren Lebenslauf zu begegnen.

Man weiß nie, welche stillen Disziplinen einen Menschen prägen.

Man weiß nie, welche unsichtbaren Opfer ihre Geduld stärken.

Man weiß nie, welches schöne Geheimnis sich hinter ihrem Erscheinungsbild verbirgt.

Manchmal ist das, was auf dem Papier gewöhnlich erscheint, in der Praxis außergewöhnlich.

Manchmal der stille Kulturarchitekt.

Manchmal ist die beste Einstellung, die man je bekommen kann, diejenige, die bereits jahrelang geübt hat, Menschen gut zu lieben.