In jener Nacht, allein in dem Steinhaus meiner Eltern, verspürte ich zum ersten Mal echte Angst. Nicht die Angst vor dem Tod, sondern die Angst vor einem Leben ohne Sinn, ohne Hoffnung, in dem nichts als Leere schlummert. Zwei Monate später erfuhr ich, dass ich schwanger war. Es war nicht geplant. Es war ein Zufall, vielleicht ein Wunder, je nachdem, wie man es betrachtet.
Étienne und ich hatten unsere letzte gemeinsame Nacht verbracht, eng aneinandergekuschelt unter dicken Decken, zitternd vor Kälte und Verzweiflung, und versucht, uns an der Wärme des anderen festzuhalten, bevor der Krieg uns für immer trennte. Als ich merkte, dass meine Periode ausblieb, als mir übel wurde und meine Brüste schmerzten, wusste ich es sofort.
An jenem Morgen weinte ich. Ich weinte, weil ich allein war. Ich weinte, weil ich nicht wusste, ob Étienne noch lebte. Ich weinte, weil es mir wie die grausamste und egoistischste Entscheidung vorkam, die man treffen konnte, ein Kind inmitten dieses Krieges zur Welt zu bringen. Aber ich weinte auch vor Erleichterung, denn zum ersten Mal seit deinem Weggang hatte ich wieder einen Lebenssinn, etwas Größeres als mich selbst, etwas, das in einer Welt, die vom Tod durchdrungen war, noch voller Leben war.