Arme, schwangere französische Gefangene: Das taten die Deutschen ihnen an, bevor sie ihre Kinder zur Welt brachten.

Jedes Geräusch konnte bedeuten, dass jemand kam, um eine von uns abzuholen. Mein Bauch schwoll immer weiter an, und damit wächst eine dumpfe Angst. Am Morgen gab es dünne Suppe und ein Stück hartes Brot. Manche Frauen hatten nicht mehr die Kraft zu essen. Andere klammerten sich an ihre Rationen wie an Schätze, überzeugt, dass der Hunger weniger schlimm war als das, was uns anderswo im Gebäude erwartete.

Wir waren viele, doch jeder von uns fühlte sich allein, gefangen in den eigenen Gedanken, den eigenen Ängsten, den Erinnerungen an frühere Leben. Eines Abends erzählte mir Marguerite, was sie gesehen hatte. Sie war einige Wochen vor mir gerufen worden. Im Kellerraum maßen die Männer, machten sich Notizen und untersuchten uns, ohne uns auch nur eines Blickes zu würdigen.

Er sprach von körperlichen Anzeichen, Kompatibilität und Nutzen. Frauen begriffen nun, dass sie nicht länger als Mütter gesehen wurden, sondern als Körper, die dazu bestimmt waren, etwas zu produzieren, über dessen Verwendung andere entscheiden würden. Manche bekamen plötzlich bessere Decken und etwas Milch. Andere, wie ich, fühlten sich traurig und erschöpft.

Niemand erklärte mir etwas. Die fehlende Erklärung war schlimmer als die Gewalt, denn die Stille füllte meine Fantasie. Ab der fünften Woche riefen sie mich immer öfter. Sie zwangen mich, die schmale Treppe hinunterzugehen, immer dieselbe, in den kalten Raum. Die Männer untersuchten meinen Bauch, hörten den Herzschlag des Babys ab und schrieben Zahlen auf Pappstücke.

Ich verstand, dass sie die Geburt erwarteten wie ein Ergebnis. Sie sprach nie über mich, nur über den Fall, das Thema, den erwarteten Ausgang. Jedes Mal, wenn ich in die Baracke zurückkehrte, sahen mich die anderen Frauen besorgt an. Einige beteten noch, andere hatten den Glauben verloren. Eine ältere Frau, Hélène, hatte wenige Tage zuvor entbunden.

Er kehrte ohne das Kind zurück. Er saß stundenlang regungslos auf seiner Pritsche, die Hände auf seinem nun flachen Bauch. Niemand wagte es, ihn bis zum Einbruch der Dunkelheit zu fragen. Dann flüsterte er kaum hörbar: „Sie sagten, er müsse woanders hingebracht werden.“ Er weinte nicht.

Es war schlimmer als Tränen. Es war eine absolute Leere. Nach diesem Erlebnis zweifelte niemand mehr an unserem Schicksal. Die Wochen vergingen, und der Winter kam. Die Kälte kroch durch die Wände der Hütte und ließ das Wasser in den Eimern gefrieren. Unsere Finger wurden blau, aber das war nicht das, was uns am meisten ängstigte. Was uns entsetzte, war der nahende Moment, in dem jede von uns ein Kind gebären würde.