Der Mediendruck kehrte mit voller Wucht zurück. Die Familie wurde alarmiert, und Journalisten einerseits der Grenze blockierten die Zufahrtsstraßen. Doch der Berg wollte nicht so einfach Antworten geben.
Die Spalte, in der der Rucksack gefunden wurde, war nur fünfzig Zentimeter breit, erstreckte sich aber mehrere Meter nach unten und deutlich höher. Experten vermuten, dass Julián versucht hatte, von einem nahegelegenen Punkt abzusteigen, um eine Abkürzung oder einen Unterschlupf zu finden, und dabei in die Falle geraten war.
Kapitän Morel war jedoch nicht überzeugt. Irgendetwas stimmte nicht: Der Rucksack war kaum beschädigt und wies keinerlei Spuren eines Sturzes aus großer Höhe auf. Außerdem befand sich auf der Karte eine Markierung mit einem Stift, die bei der Untersuchung der Kopien fünf Jahre zuvor noch nicht vorhanden gewesen war.
„Das ergibt keinen Sinn“, flüsterte Morel einem der Techniker zu. „Wenn Julián das geschrieben hat, nachdem er sich verirrt hatte … müssen wir herausfinden, warum.“
Die Wiederaufnahme der Ermittlungen gestaltete sich rätselhaft. Und was das Team am nächsten Tag beim immer tieferen Vordringen in den Riss entdeckte, veränderte die Interpretation des Falls völlig.
Die Retter begannen ihren Abstieg im Morgengrauen. Sie brachten Seile, Anker und Wärmesensoren an. Der Spalt war eng und feucht, und mit jedem Meter schien das Licht zu verschwinden. Das Rauschen des Windes verstummte mit dem Abstieg und wurde von einer drückenden Stille abgelöst, als wäre die Luft dort jahrhundertelang gefangen gewesen.
Acht Meter weiter fanden sie den ersten wichtigen Hinweis: ein Stück roten Stoff, vielleicht ein Teil von Juliáns Windjacke. Es war zerrissen, aber nicht durch einen plötzlichen Sturz; vielmehr sah es so aus, als sei es absichtlich zerrissen worden, wie ein Zeichen oder ein Symbol.
„Das war Absicht“, sagte Morel. „Julian wollte eine Spur hinterlassen.“