Arme, schwangere französische Gefangene: Das taten die Deutschen ihnen an, bevor sie ihre Kinder zur Welt brachten.

Kein Name, keine Erklärung, nur dieses bürokratische Wort: Verlegung. Sie lösten meine Fesseln an Händen und Füßen. Ich wollte aufstehen, aber mein Körper gehorchte mir nicht. Ich lag da, leer, starrte an die weiße Decke und begriff, dass ich die Stimme meines Sohnes zum ersten und letzten Mal gehört hatte. Noch vor Tagesanbruch brachten sie mich zurück in die Baracke.

Der Himmel war noch immer schwarz, und die Kälte drang bis in meine Knochen. Doch ich spürte fast nichts, als ob mein Körper mir nicht mehr gehörte. Die anderen Frauen verstanden sofort, als sie meine leeren Hände sahen. Niemand stellte Fragen. Marguerite setzte sich neben mich und legte einfach ihre Handfläche auf meine. Dieses gemeinsame Schweigen war menschlicher als alles, was ich seit meiner Ankunft erlebt hatte.

In den folgenden Tagen sprach ich kaum. Ich saß auf meiner Pritsche, starrte die Wand an und ließ die Erinnerung an ihren Schrei immer wieder in meinem Kopf ablaufen, um sie nicht zu vergessen. Ich fürchtete, die Zeit würde diese eine Verbindung auslöschen, die die Existenz meiner Tochter bewies. Nachts wachte ich auf, überzeugt davon, sie irgendwo im Lager weinen zu hören.

Ich stand auf und lauschte, doch da war nur der Wind und die Schritte der Wachen. Manche Frauen verloren den Verstand, andere beteten unaufhörlich. Ich für meinen Teil zog mich in Schweigen zurück. Ein paar Wochen später wurde eine Verlegung angekündigt. Ohne jede Erklärung verfrachteten sie uns auf einen Lastwagen. Während der Fahrt blickte ich auf die schneebedeckten Felder und stellte mir vor, dass mein Sohn vielleicht jenseits des Horizonts lebte.

Lebte er noch, war er krank, adoptiert oder schon tot? Die Ungewissheit wurde zur ständigen Qual. Wir kamen in ein anderes Lager, größer, brutaler. Dort sprach niemand von Kindern oder Mutterschaft, nur von Arbeit und Überleben. Wir wurden einer militärischen Nähwerkstatt zugeteilt. Stundenlang nähte ich Uniformen, meine Finger bluteten am Stoff, aber ich machte weiter, denn aufhören bedeutete Schläge oder das Verschwinden.

Aus Tagen wurden Monate. Ich sah Frauen an Hunger, Krankheiten und Erschöpfung sterben. Und doch blieb ich am Leben, ohne zu verstehen, warum. Jede Nacht legte ich meine Hand auf meinen nun leeren Magen und versprach mir nur eines: Wenn ich jemals von dort herauskäme, würde ich bis zu meinem letzten Atemzug nach meinem Sohn suchen. Dieses Versprechen war der einzige Grund, warum ich weiteratmete.

Das folgende Jahr verging wie im Nebel aus Erschöpfung und Angst. Die Jahreszeiten wechselten, doch unser Leben blieb dasselbe. Der Winter biss uns in die Hände, der Sommer raubte uns in der stickigen Werkstatt den Atem. Ich zählte die Zeit nicht in Tagen, sondern in Tagen, die vergingen. Ein leeres Bett am Morgen bedeutete, dass eine Frau in der Nacht gestorben oder woanders hingebracht worden war.

Ich arbeitete wie mechanisch weiter, den Kopf gesenkt, und wiederholte dieselben Bewegungen, bis sie zur Gewohnheit wurden. Manchmal trafen Konvois mit neuen Gefangenen ein, und ich musterte jedes Gesicht mit einem wilden Gedanken. Vielleicht hatte eine von ihnen ein Neugeborenes gesehen. Vielleicht wusste sie etwas. Ich wagte es nie, die Frage zu stellen, doch die Hoffnung wollte nicht sterben.

Ein älterer polnischer Gefangener erzählte mir einmal leise, dass manche Neugeborene nach Deutschland geschickt wurden, um bei unbekannten Familien zu leben. Dieser Satz hat mich tief berührt. Wäre er woanders hingebracht worden, wäre er vielleicht noch am Leben. Doch der Krieg rückte immer näher. Manchmal war in der Ferne ein dumpfes Grollen zu hören.

 

Keine Gewitter, sondern Artilleriefeuer. Die Wachen wurden nervös, schrien immer lauter und feuerten heftiger. Eines Nachts heulten die Sirenen, und wir mussten stundenlang im eiskalten Hof ausharren. Ich blickte zum rötlichen Himmel am Horizont und spürte zum ersten Mal, dass sich etwas veränderte. Einige Frauen flüsterten, die alliierten Armeen rückten vor. Ich wagte es nicht zu glauben.