Doch er war schon unterwegs. Er griff nach seinen Schlüsseln auf der Kommode, das Metall klirrte wie ein schriller Wecker. Die Haustür öffnete und schloss sich mit einer Endgültigkeit, die das ganze Haus erzittern ließ. Ich stand mitten in unserem Schlafzimmer, noch immer in meinem Brautkleid, und hörte, wie der Motor seines Wagens aufheulte und in der Ferne verklang.
Ich beugte mich hinunter und berührte die kalte Kohlefaser meiner Beinprothese. Fünf Jahre lang hatte ich geglaubt, Ryan sei der Mann gewesen, der mich aus der Dunkelheit geholt hatte. Jetzt, als das Mondlicht durchs Fenster fiel, begriff ich, dass er vielleicht derjenige war, der die Dunkelheit mitgebracht hatte.
Kapitel III: Das Haus am Rande der Welt.
Die folgenden drei Tage waren ein Meisterkurs in Vermeidung. Ryan kehrte in den frühen Morgenstunden zurück, er roch nach abgestandenem Kaffee und dem stechenden, klinischen Geruch von Desinfektionsmittel. Er schlief auf dem Sofa, eine zusammengekauerte Gestalt im Dämmerlicht des Wohnzimmers, weniger wie mein Mann und mehr wie ein Flüchtling.
Meine Schwester Marie kam am vierten Tag an. Sie stellte keine Fragen; sie betrachtete nur die unberührte Hochzeitstorte auf der Anrichte und die dunklen Ringe unter meinen Augen.
„Er fährt jeden Tag um 17:15 Uhr weg“, sagte Marie mit beschützender Wut in der Stimme. „Er geht nicht zurück ins Büro. Er fährt Richtung Süden, zu den alten Sumpfstraßen. Zieh deinen Mantel an, Clara. Wir werden herausfinden, wo er sein Herz versteckt.“
Ihm zu
folgen, fühlte sich an wie ein Verrat an unserem neuen Versprechen, doch die Stille war zu einer unüberwindlichen Mauer geworden. Wir folgten seiner silbernen Limousine vorbei an den Neonlichtern der Stadt und hinein in die kargen Überreste der Außenbezirke, wo die Bäume dicht standen und der Nebel wie ein schwerer Schleier über die Feuchtgebiete hing.
Schließlich blitzten seine Bremslichter vor einem bescheidenen, wettergegerbten Häuschen auf. Es stand einsam auf einem Fleck grauer Erde, seine Fenster leuchteten in einem unheimlichen, rhythmischen blauen Licht.
„Bleib im Auto“, flüsterte Marie.
„Nein“, sagte ich, meine Stimme ruhiger, als ich mich fühlte. Ich rückte den Riemen meiner Prothese zurecht und spürte den vertrauten Druck des Schaftes. „Das hat mit mir angefangen. Es endet mit mir.“
Der lebende Geist
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