Vom Hörsaal auf den Protestplatz
Anne begann während ihres Politikwissenschaftsstudiums immer häufiger Demonstrationen zu besuchen. Zunächst sporadisch, später fast wöchentlich. Schließlich entschied sie, dass Protestieren für sie wichtiger war als ihr Studium.
„Irgendwann saß ich in einem Hörsaal und dachte: Warum sitze ich hier? Die wirkliche Veränderung findet draußen, auf der Straße, statt.“
Seitdem ist sie regelmäßig bei Demonstrationen in Städten wie Amsterdam, Den Haag und Utrecht anzutreffen. In den vergangenen Jahren haben die Proteste in den Niederlanden stark zugenommen: Allein in Den Haag finden jährlich Hunderte Demonstrationen zu Themen wie Klima, Agrarpolitik, Bildung und internationalen Konflikten statt.

Aktivismus als „Arbeit“
Laut Anne fühlt sich Aktivismus inzwischen wie ihre Vollzeitbeschäftigung an. Sie hilft bei der Organisation von Aktionen, gestaltet Plakate und mobilisiert Menschen über soziale Medien.
„Das kostet viel Zeit. Man muss Aktionen planen, Menschen erreichen und bei Protesten präsent sein. Das ist fast schon ein Job für sich.“
Kritiker behaupten jedoch, viele Aktivisten würden vor allem demonstrieren, ohne Verantwortung für Arbeit oder Studium zu übernehmen. Anne versteht diese Kritik, ist damit aber nicht einverstanden.
„Veränderung kommt nie von Menschen, die einfach nur ihre Arbeit weitermachen und sonst nichts.“